Hund aus dem Tierschutz ja bitte oder nein danke!

... als Vierbeiner macht Hund sich ja auch Gedanken … wo komme ich her – wo gehe ich hin … ich verbrachte einige Monate im „Heim“, bevor mich Frauchen adoptierte und mir ein neues Zuhause gab … ich war bereits ihr dritter Hund aus dem Tierschutz … und Frauchen erzählt auch von Bekannten die auch einen Hundekumpel aus dem Tierschutz haben, die verzweifelt sind und sich beim nächsten Mal gut überlegen ob sie einen Hund aus dem Tierschutz adoptieren würden …
Ein paar kritische Gedanken dazu:
  • Immer mehr Menschen nehmen einen Hund aus dem Inland- und /oder aus dem Auslandstierschutz auf. Das ist eigentlich eine sehr positive Entwicklung, die Bereitschaft einem „solchen Hund“ ein Zuhause zu geben …
  • Wie gesagt eigentlich … aber man muss das Ganze auch etwas kritischer betrachten – es ist immer ein Wagnis einen „Second-Hand-Hund“ aufzunehmen.
  • Meistens ist die Vorgeschichte unbekannt (manchmal wird diese auch wissentlich verschwiegen, um eine Vermittlung nicht zu gefährden – was Frauchen bei ihrem letzten Hund persönlich erlebt hat).
  • Ebenso sind die Rassen, die in einem Mix vereint sind, unbekannt und damit auch ihre rassetypischen Eigenschaften.
  • Oft bringen Tierschutzhunde auch „Macken“ aufgrund ihrer Vorgeschichten mit …
Ist es deshalb falsch einen Vierbeiner aus dem Tierschutz bei sich aufzunehmen? Definitiv nein – aber es gibt ein paar Dinge zu beachten und abzuwägen.
Tierschutzhund aus dem heimischen Tierschutz:
  • Frauchen hatte bei ihrem ersten Tierschutzhund (wohl erwähnt aus einem heimischen Tierheim) wirklich Glück – eine neun Jahre alte Rauhaardackeldame, die ihr Frauchen verloren hatte und somit im Tierheim landetet – mit bekannter Vorgeschichte - sie hatte es wohl Zeit ihres Lebens sehr gut gehabt und war somit bis an ihr Lebensende ein „unproblematischer“, ihrer Rasse entsprechender Rauhaardackel …
  • Doch bei ihrem zweiten Tierschutzhund hatte Frauchen ein „Überraschungspaket“ bekommen … eine kleine Terrier-Mix-Hündin von Touristen mit 8 Monaten von der
Türkei (illegal) mitgebracht, landete sie nach wenigen Wochen im örtlichen Tierheim in Österreich, wohl wegen Überforderung … bis sie schlussendlich mit 14 Monaten bei Frauchen ein Zuhause fand, davor wurde sie bereits zwei Mal vom Tierheim vermittelt und von den neuen Besitzern gleich wieder zurückgebracht … Frauchen wurden diese Informationen (wissentlich oder auch aus guter Absicht, um endlich einen Platz für das Tier zu finden) verschwiegen. So mit nahmen die Probleme ihren Lauf … nur Frauchen hat die Probleme „in Angriff“ genommen, um sie zu lösen, doch hätten Informationen vorher gut getan und es hätten sich viele Fehler zum Wohl des Tiers vermeiden lassen … trotzdem wurden es 14 tolle und herausfordernde Jahre die Frauchen mit „Terror-Terrier“ verbrachte …
  • Frauchen möchte damit sagen, es ist besser die zukünftigen Besitzer kennen die Wahrheit und die Hintergründe (sofern sie denn bekannt sind), als dass alles schöngeredet wird und der Hund dann wieder zurückgebracht wird oder es für Mensch und Tier nur noch in Stress ausartet …
Hund aus dem Auslandstierschutz:
  • Also vorab – Frauchen möchte nur klarstellen, dass sie es sehr wertvoll und sinnvoll findet, wenn Menschen im Ausland Tierschutz betreiben und bestrebt sind, diesen Hunden auch hier in Deutschland ein neues bzw. überhaupt ein Zuhause zu geben.
  • Oft werden aber einfach Hunde vermittelt ohne ihren Charakter, ihre Macken und Stärken, einfach weil sie so lieb ausschauen oder einem einfach leidtun, vermittelt …
  • Und dann passiert das Unglück … für beide - Mensch und Hund ist es nur noch Stress und alle menschlichen Vorstellungen lösen sich in Rauch auf …
Aber etwas ist ganz wichtig:
  • Mitleid ist ein schlechter Ratgeber
  • oder ich habe mich in das süße Bild verliebt …
  • Und der Ausspruch, „der muss mir doch jetzt dankbar sein, dass ich ihn gerettet habe“, ist leider oft zu menschlich gedacht.
  • Lebensbedingungen von Hunden, die aus dem Ausland stammen, unterscheiden sich häufig gravierend von denen hier in Deutschland.
  • Manche haben oft eine lange Zeit auf der Straße gelebt, bevor sie eingefangen wurden.
  • Andere Hunde sind vielleicht schon in einer Auffangstation geboren und kennen das Leben außerhalb der Gitterstäbe gar nicht.
  • Wiederum andere dienten als Wachhunde und haben nur einen Radius von ein paar Metern kennengelernt, gerade so viel, wie die Kette, an der sie gehalten wurden, lang war.
  • Viele kennen das Leben im Haus bzw. in einer (kleinen) Wohnung gar nicht.
  • Erst einmal erlebt der Hundekumpel einen großen Kulturschock.
  • Hatte er vorher kaum Bewegungsradius, ermöglichen ihm die neuen Halter ein Maximum an Freiheit. Häufig so viel, dass der Vierbeiner damit überhaupt nicht umgehen kann, überfordert ist mit dem Bewegungsraum, den er hat. Wie soll er sich orientieren, ohne, dass er automatisch begrenzt wird durch eine Kette, eine Mauer, Zwingerstäbe?
  • Es bedarf einiges an Arbeit des Menschen, dem Hund neue Orientierung zu geben – fernab von räumlichen Begrenzungen, über klar definierte Regeln und Freiräume.
  • Viele Hunde sind auch noch nicht stubenrein, wenn sie in ihr neues Zuhause kommen – woher sollen sie es auch sein … sie kennen es nicht anders als in den Zwinger ihr Geschäft oder anderswo hinzumachen …
  • Aber das Leben im Haus, bietet zahlreiche andere neue Herausforderungen: ein Dach über dem Kopf, geschlossene Räume, Türen; all das sind neue Eindrücke, die ein Vierbeiner verarbeiten muss und dazu führen können, dass er sich nicht freudig in sein neues Leben stürzt, sondern erst einmal verschüchtert sein kann und seine Geschäfte noch im Haus erledigt – und in geschlossenen Räumen keine Ruhe finden kann.
  • Ein Hund, der Menschen nicht als ernstzunehmenden Sozialpartner kennengelernt hat, schlimmstenfalls von Menschen misshandelt wurde, oder ein Zweibeiner nur als Futterspender erlebt hat, wird nicht automatisch eng mit Menschen sein wollen, weil Mensch ihm ein Zuhause bietet.
  • Wenn er gar gelernt hat, sich auf den Straßen über einen längeren Zeitraum selbst „durchzuschlagen“ und sich sein Futter zu besorgen, hat er autark gelebt. Er wird dieses, je nach Charakter, nicht automatisch aufgeben, weil Zweibeiner ihn nun versorgt. Er wird Menschen nicht zwangsläufig „anhimmeln“, weil du ihn gerettet hast. (Diese Hunde gibt es natürlich auch! Es ist aber keine Selbstverständlichkeit).
Thema Krankheiten:
  • Besonders bei Hunden aus dem Mittelmeerraum besteht die Gefahr, dass sie ernstzunehmende und unheilbare Krankheiten (beispielsweise Leishmaniose) mitbringen. Ein Test auf Mittelmeerkrankheiten kann zuverlässig erst ab einem bestimmten Alter (ab einem Jahr) durchgeführt werden. Nur der aber kann verhüten, dass du dir einen schwer kranken Hund ins Haus holst, der möglicherweise nur eine verkürzte Lebenserwartung hat.
  • Aber oft sind es auch andere Krankheiten die diese Tiere mitbringen, von den psychischen Belastungen die diese Tiere erlebt haben wollen wir gar nicht reden …
Noch ein paar persönliche Überlegungen:
  • Was hast du für Wünsche an das gemeinsame Leben mit einem Hund?
  • Passt dieser Hund in mein Leben bzw. in das Leben, das ich führe?
  • Möchte ich eine bestimmte Beschäftigung mit dem Hund ausüben? Oder bin ich flexibel genug, mich den Bedürfnissen des Vierbeiners anzupassen?
  • Reflektiere einmal kritisch, ob du genug Zeit, Geduld und Geld hast, mit deinem Hund nicht nur einen Gruppenkurs bei einer Hundeschule zu besuchen, sondern gegebenenfalls auch Einzelstunden bei einem kompetenten Trainer zu nehmen, um gezielt Probleme zu lösen?
Noch ein Wort zum Schluss:
  • Jeder Hund kann sich entwickeln und lernen.
  • Und es ist ein tolles Gefühl, wenn man Zeit, Liebe und Mühe in eine Fellnase gesteckt hat und es sich auszahlt, weil ihr ein besonders Team geworden seid …
  • Wie sagt man so schön: Man kann nichts in Hunde hinein prügeln, aber vieles wieder heraus streicheln.
  • Wenn du bereit bist, Zeit und Geduld aufzubringen, dieses zu tun; bereit bist, Arbeit zu investieren und an Macken nicht zu verzweifeln, sondern sie anzugehen; keine festgefahrenen Vorstellungen hast, sondern Mut, dich eines Überraschungspakets anzunehmen: Dann trau dich! Frauchen hat es noch bei keinem ihrer „Second Hand Hunde“ bereut …
bis bald euer Floritto