Mein Frauchen ist ne "Wattebausch-Uschi"

… vorweg das soll keine Beleidigung für alle Usichi´s sein – im Gegenteil Frauchen durfte viele ganz tolle Uschi´s kennen lernen …
Tja wie war das damals vor über zwanzig Jahren – als bei Frauchen ihr erster eigener Hund einzog? Übrigens ein kleiner Bobtailwelpe …
Frauchen dache Hündchen sollte „folgen lernen“ (Blondie !) … so landete sie bei einem Hundeverein auf dem Hundeplatz … doch sie hatte Glück und durfte den „Gehorsamskurs“ bei einer Kursleiterin mitmachen die bereits mit Leckerchen und lieben Worten belohnte … doch auch hier durfte der alt bekannte Leinenruck manchmal nicht fehlen … auch das militärisch anmutende auf und ab gehen auf dem Platz erinnerte an Zeiten die wir nicht mehr haben wollten … und da waren da noch die anderen Gruppen deren Kursleiter Kommandos über den Platz hallten – so dass ihr junger kleiner Bobtail nur noch zusammen zuckte … und schon damals bemerkte sie, dass die „alt eingesessenen Hundeführer“ nur belustigt lächelten und abwertende sagten , nachdem sie erzählte bei wem sie im Kurs war, ach du bist bei der „Wurst-Liesel“ in der Gruppe … und sie erzählten Frauchen wie sie die Position als „Rudelführer“ – diese Wort sollte Frauchen noch viele Jahre begleiten – voll und ganz ausfüllten – denn eines war klar der „Hund musste folgen“ – (Blondie !) …
Die Jahre vergingen und der kleine Bobtail wurde erwachsen – er machte Begleithunde- und Fährtenhundeprüfungen … doch eines änderte sich nicht – militärischer Drill und Kommandos auf den Hundeplätzen, Leinenrucke, Stachelhalsbänder, Stromhalsbänder und dünne Schnürchen all das blieb … Frauchen konnte nicht leugnen, dass auch sie ihrem besten Freund ab und zu einen Leinenruck verpasste, aber all die anderen Dinge, nein die weigerte sie sich zu machen – die sah sie zur Genüge bei den anderen … und ab und zu versuchte sie auch den anderen zu sagen, muss das wirklich sein? Aber was darauf folgte war ein belustigender Blick und Kommentare wie „Du hast ja sowieso keine Ahnung, außerdem war das schon immer so und nach zwanzig Jahre Hundetraining weiß ich wie das geht“ … diese Sätze sollten Frauchen noch lange verfolgen …
Sie sah Hundeführer die ihren Hund nur zum Training aus dem Zwinger holten – und nach dem Training wieder dort „abgestellt“ wurde , die ihn Tage lang hungern ließen – damit er mehr Arbeitsfreude zeigen sollte … all das erinnerte sehr an ein Sportgerät, dass Mann/Frau aus dem Schuppen/Garage holt um es zu „benützen“ und wieder dort abzustellen, wenn der „Spass“ vorbei war … aber nicht daran, dass sie Verantwortung für ein Lebewesen übernommen hatten und ihr „bester Freund“ war …
Sie sah Hunde die „ausgetauscht“ wurden, weil sie nicht „funktionierten“ …
Sie sah verschreckte oder total „aufgespulte“ Hunde, die über den Hundeplatz gezogen und geruckelt wurden …
Sie sah „Hobbysportler“ die vor lauter Ehrgeiz keine Grenzen kannten und „wie im Rausch waren“ …
Sie sah „Hobbysportler“ die ihr eigenes Versagen, ihre eigenen Fehler, ihren Frust am Hund ausließen …
Sie sah sich selbst im Spiegel an und dachte oft darüber nach, war sie denn besser als die anderen? Einen Leinenruck da, ein Zupfen hier, ein runterdrücken auf Platz usw. - nein eigentlich war sie nicht besser ...
Was folgten, waren vergebliche und zaghafte Versuche , die anderen davon zu überzeugen so viel Gewalt, musste doch wirklich nicht sein … aber es blieb eben bei dem Versuch … es änderte sich jahrelang nichts … und das verschließen der Augen vor der Realität …
Doch das Leben spielt einem oft Momente zu … die alles Verändern sollten …
Dazwichen lagen Jahre und zwei andere Hunde … inzwischen hatte Frauchen einen kleinen Terrier-Mix aus dem Tierschutz. Eine recht eigenwillige kleine Dame … die sie vor große Herausforderungen stellte …
Trotz ihres Dickkopfes legte Frauchen mit ihr Begleithunde-und Obedienceprüfungen ab … eigentlich eine tolle Leistung für solch einen Sturkopf …
Eigentlich … aber da kommt der Ehrgeiz des Menschen und das willentliche Übersehen von Signalen, die Wuffi sendete … doch irgendwann kommt Frauchen bei Wuffi „Terror-Terrier“ halt auch an seine Grenzen …
„Terror-Terrier“ verweigerte eines Tages einfach die Zusammenarbeit … mit Frauchen … lief davon und war für zwei Stunden nicht mehr auffindbar … Frauchen suchte überall nach „Terror-Terrier“ und Tränen rannen ihr vor lauter Verzweiflung über das Gesicht … Irgendwann wurde Frauchen dann fündig und fand ihren doch so selbstbewussten kleinen Terrier-Mix bibbernd und winselnd in einem Gebüsch … Frauchen nahm das kleinen Bündel in den Arm und Tränen rannen ihr über das Gesicht und immer wieder stammelte sie vor sich hin, “was habe ich dir nur angetan, was habe ich dir nur angetan” …
Sie verließen den Hundeplatz schweigend und viele Wochen und Monate sah der Hundeplatz nur noch Frauchen aber nicht mehr den „Terror-Terrier“ … das war wohl der Zeitpunkt der endgültig darüber entschied – so nicht mehr …
Terror-Terrier-Mix wurde fast 14 Jahre alt und müssen musste sie nichts mehr, außer Hund zu sein und beste Freundin … klar wieder gut machen was geschehen war, ließ sich nichts mehr, aber ist die Einsicht nicht der erste Weg zur Besserung? …
Zur wirklichen „Wattebausch-Uschi“ wurde Frauchen erst bei mir, als ich zu ihr kam … denn sie hatte sich geschworen … „beim nächsten Hund wird alles anders“ ….
Und sie blieb sich treu … sie wurde zu einer wirklichen „Wattebausch-Uschi“ ah „Wattebausch-Julia“ …
Sätze – „wie das war immer schon so“, „ ich habe über zwanzig Jahre Erfahrung mit Hunden und im Hundetraining“ , „der Hund muss folgen“, „ich bin der Rudelführer“ … würde sie nicht mehr gelten lassen und mussten wiederlegt werden … denn nur mit Wissen und Argumenten konnten solche „dummen Sätze“ „bekämpft“ und wiederlegt werden …
Und es gibt viel zu tun – die ewig „Gestrigen“ sterben nicht aus … aber auch die „Wattebausch-Uschis“ werden mehr ….